Pixel Heroes: Of Byte and Magic

Pixel Heroes: Of Byte and Magic

  Sonstiges        19.09.2015
Photo(s) freigegeben von Headup Games
Erst neulich hatte ich mit einem alten Kumpel eine Diskussion über Humor in Spielen. Früher seien die Spiele irgendwie lustiger gewesen, die Entwickler hätten einfach ihr Ding durchgezogen, ohne groß darauf achten zu müssen, irgendwem auf den Schlips zu treten. Erinnerungen wurden wach an durchgezockte Nächte mit Spielen wie Mad TV, Monkey Island oder Dungeon Keeper, die gerade durch ihren herrlich schrägen Humor viele Fans gewannen.
„Gibt es solche Spiele heutzutage überhaupt noch?“ fragten wir uns und ich erinnerte mich an das Spiel eines kleinen deutschen Entwicklers, über das ich kurz vorher eher zufällig gestolpert war. Besagte Schmiede heißt „The Bitfather“ und hat mit „Pixel Heroes: Of Byte and Magic“ eine Mischung aus Rollenspiel und Dungeoncrawler veröffentlicht, die neben eines süchtig machenden Spielprinzips vor allem durch ihren Witz besticht.

Von Pinguinen und Lieblingsbüchern

Wie in einem klassischen Rollenspiel üblich, spielen wir eine Heldengruppe, die sich anschickt, das Böse aus der Welt zu jagen. Dies können wir in drei verschiedenen Kampagnen versuchen, von denen die erste bereits mit dem Schwierigkeitsgrad „Hart“ bezeichnet wird – und das aus gutem Grund, wie wir bald feststellen werden.

Los geht es mit der Wahl der richtigen Helden, die wir in der Taverne anheuern. Neben Informationen über Attribute, Skills und Klassen erfahren wir hier auch elementar wichtiges: Dass der Wirt gerne Gläser putzt und die örtliche Band nur einen Song spielen kann, den sie aber zu gerne wiederholt. Und der frappierend an eine gewisse Cantina Band erinnert. Sollten wir uns anhand der nüchternen Zahlen nicht sofort für drei Helden entscheiden können, helfen uns Informationen wie „Der Streit um eine herzhafte Lasagne’ ist sein Lieblingsbuch“ oder "Sie glaubt nicht an Pinguine" weiter – alles klar. Schließlich sollten uns die tapferen Recken auch ans Herz wachsen, bevor wir sie in den Tod schicken.

Käpt’n Unterhose sucht seinen Slip

Der Sensenmann lauert in einem von mehreren verschiedenen Dungeons, zu denen uns die Dörfler schicken. Diese haben sich beim örtlichen „Ausrufezeichenausverkauf“ eingedeckt, um nun mit mehr oder weniger bescheuerten Quests aufzuwarten. So vermisst ein angehender Abenteurer das letzte Teil seines Hero Suits ™ , welches sich als Unterhose entpuppt. Die natürlich ÜBER der Leggings getragen wird, so will er uns glaubhaft versichern. Weitere Details wollen wir gar nicht wissen.
Die Quests laufen dabei immer nach dem gleichen Prinzip ab: Reise zum Dungeon, Kampf durch sieben Räume bis zum Boss, Reise zurück – so man denn überlebt hat.
Auf diesen Reisen begegnet man schon mal allen möglichen skurrilen Gestalten, die am Wegesrand warten, um einem aufzulauern oder auch einfach nur Unsinn zu erzählen. Hier haben die Entwickler eine Menge Eastereggs eingebaut – fast jede Begegnung spielt auf bestimmte Spiele, Filme oder Serien an. So laufen wir einem dreiköpfigen Affen über den Weg oder unterhalten uns mit zwei „seltsamen Typen“, die offenbar bewusstseinserweiternde Substanzen konsumiert haben und uns nun davor warnen, an dieser Stelle anzuhalten, weil hier Fledermausland sei.

Schluss mit lustig

Im Dungeon angekommen, bleibt uns das Lachen aber schnell im Halse stecken. In den rundenbasierten Gefechten hauen die Gegner gnadenlos zu und bedienen sich dabei der verschiedensten Magie- und Schadensarten. Man merkt schnell: Es braucht die richtigen Waffen und Immunitäten, um hier lebend wieder herauszukommen.
Woher man weiß, welcher Gegner mit welcher Methode zu besiegen ist? Ausprobieren! Pixel Heroes nimmt den Spieler weder an die Hand, noch verzeiht es Fehler.
Nach gewonnenem Gefecht gibt es Erfahrungspunkte, Gold und Items als Belohnung. In dieser Phase besteht auch die einzige Möglichkeit, Heiltränke zu sich zu nehmen – während der Kämpfe geht das nicht.
Raum für Raum kämpft man sich so bis zum Boss vor. Sollte einer unserer Helden vorher sterben, darf man ihn erst in der Stadt wiederbeleben, aber nur, wenn die Party überlebt. Vorzeitiger Rückzug ist ebenfalls nicht möglich, im Zweifelsfall muss man aussichtslose Kämpfe bis zum bitteren Ableben der gesamten Party bestreiten. Und dank Permadeath komplett von neuem beginnen.
Ist der Obermotz besiegt, heißt es ab ins Dorf, Items verkaufen, eine neue Quest annehmen und kurz auf ein Bier in die Taverne, bevor die nächste Horde Monster darauf wartet, ordentlich verdroschen zu werden. Oder dasselbe mit uns zu tun.
Insgesamt muss man auf diese Weise acht Dungeons abschließen, um die Kampagne zu beenden und die nächste freizuschalten. Klingt einfach, ist es aber mit zunehmendem Heldenlevel nicht, da auch die Monster mitleveln.

Oldschool ist Geschmackssache

Technisch gesehen gilt bei Pixel Heroes vor allem: Retro ist in. Pixelgrafik und 8bit-Sound sorgen bei dem einen für Schaudern, beim anderen für ein nostalgisches Grinsen. Die Musik ist herrlich schräg, könnte aber auf Dauer auch etwas nervtötend wirken. Leider kann man sie nicht leiser machen, nur ganz ausschalten.
Die Bedienung erfolgt vollständig per Maus, Controller werden nicht unterstützt. Sonstige Einstellungen sucht man vergebens, aber immerhin dürfte das Spiel damit auf jedem Rechner einwandfrei laufen.

Fazit

Ich war schon etwas gefrustet, als mein schwäbelnder Barbar im fünften Dungeon mitsamt seiner Entourage das Zeitliche segnete, hatten sie doch alle Aufgaben vorher bravourös gemeistert. Aber natürlich schwor ich bittere Rache!

Frust und Spaß liegen bei Pixel Heroes nah beieinander. Nach einem kompletten Partywipe muss man vollständig von vorne anfangen, jeglicher Fortschritt geht verloren. Warum das aber trotzdem nicht so schlimm ist? Weil das Spiel einfach Bock macht! Es motiviert dazu, immer weiter zu machen, um diesen einen verfluchten Dungeon doch noch zu schaffen oder endlich mal ein Abenteuer abzuschließen.
Der einzigartige Humor sorgt überdies dafür, dass man ständig ein Schmunzeln im Gesicht hat. Zudem kostet Pixel Heroes lediglich einen Zehner bei Steam, man kann also nicht viel falsch machen. Meinen Kumpel habe ich anscheinend überzeugt – er hat sich Pixel Heroes am nächsten Tag gekauft.
1 Like(s): Et_Moi,
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33 Jahre, User aus Köln

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