GROOVENOM: MODERN DEATH POP

GROOVENOM: MODERN DEATH POP

  Musik        05.01.2017
Photo(s) freigegeben von Noizgate Records // GrooVenoM // M. Sanz
Ich bin bei meiner Oma zu Besuch. Sie fragt mich, was ich da aktuell eigentlich treibe, sie habe bei Facebook gesehen, dass ich da so etwas mit geschminkten Männeken geliked habe. Ja, meine Oma ist bei Facebook und sie weiß auch, was ein Selfiestick ist. Was sie mit „geschminkte Männeken“ meinte, musste sie mir dann doch erst zeigen. Dann fiel der Groschen: Sie meinte GrooVenoM! Also fing ich an zu erklären:

„Oma, die Band heißt GrooVenoM. Das heißt sowas wie „groovige Bosheit“, nur halt in einem Wort. Die kommen aus Dresden und haben gerade ein neues Album rausgebracht. MODERN DEATH POP heißt es. Ich glaube, das beschreibt die Musikrichtung auch ganz gut. Ist halt moderner Metal.“

Meine Oma macht ein nachdenkliches Gesicht und sagt: „Oh Dresden, die sind ja auch ständig in den Medien momentan. Naja, ihr immer mit eurem ganzen Englisch. Da versteht man doch nichts mehr. Ich habe übrigens noch so eine alte Brosche mit einem silbernen Schwert. Die kannst du haben, das passt doch zu deinem Hetti Metal.“ Und ich so: „Oma, das hat doch damit jetzt nichts zu tun und schon gar nicht mit Schwertern.“ Ich erzähle ihr von Corpsepaint 2.0, rosa Baseballschlägern, enthaupteten Teddybären und Trancecore, zu dem man sowohl moshen, als auch tanzen kann. Ich bin mir gar nicht sicher, ob sie mir noch zuhört, während sie anfängt, die Erde in den Blumentöpfen auf der Fensterbank mit dem Zeigefinger zu überprüfen. Ich beschreibe dennoch unbeirrt weiter, wie die klassischen Elemente des Metals hier ziemlich in den Hintergrund rücken, um Platz für synthetische Klänge zu machen und, dass das Make-up ein Teil des Gesamtkonzeptes ist, welches Pop Art Elemente, Comic, Death, Kitsch und Horrer zu einem provokanten Ganzen kombiniert. Ich erzähle von Rappassagen und Breakdowns. Als ich bei den Screams ankomme, steht sie auf uns holt eine Gießkanne.

Ich erzähle weiter und werde lauter, damit sie mich nebenan in der Küche auch verstehen kann: „NAJA, JEDENFALLS KAM DAS ALBUM AM 16.12.2016 RAUS, AUF NOIZGATE RECORDS.“ Keine Reaktion. Mittlerweile ist sie im Schlafzimmer und kramt in einer Schublade. Kackendreist, wo ich doch hier gerade echt was Wichtiges erzähle. Ich teste in gleicher Lautstärke: „…NAJA UND DANN HABE ICH GEKÜNDIGT UND BIN GEGANGEN. DIE FANDEN DIE NUMMER MIT DER HUNDEKACKE EH NICHT GUT UND DAS MIT DEN PENISFOTOS...“ Meine Oma ruft mir ein desinteressiertes: „Jaha! Schöhön!“ zurück und kommt kurz darauf mit der Brosche und einer vollen Gießkanne zurück ins Zimmer. Okay, sie hört nicht zu. „Gut,…“, denke ich mir, „…dann schreibe ich halt einen Artikel. Vielleicht interessiert es ja jemanden IM INTERNET, WO MEINE RICHTIGEN FREUNDE SIND!“. Die Brosche war hässlich. Ich habe sie trotzdem mitgenommen, aus Prinzip.

So, here we are.

GrooVenoM gründeten sich im Sommer 2014. Bisher veröffentliche das sächsische Sextett bereits ihr Debüt „Viper“, eine EP namens „Pink Lion“ und die Single „Hallo Welt“ inklusive Video. Über 6.500 Facebooklikes, zahlreiche Videos und das Einheitliche Auftreten jedes einzelnen Bandmitglieds zeigen: Die haben richtig Bock und haben verstanden, wie es funktioniert. Musikalisch sowie in Ihrer Selbstdarstellung ziehen die Jungs ihr Konzept knallhart durch: Ohne Make-up betritt hier keiner die Bühne. Dabei präsentieren sie Ihren Look so professionell, dass es tatsächlich cool und kreativ wirkt, nicht cheesy. Die Songs bewegen sich zwischen Deathcore und Popmusik, Rappassagen, Breakdowns und tanzbaren Elektro-Arrangements, die eine verspielte Vielseitigkeit mit reinbringen. Das Image ist stylisch, die Beats rhythmisch. Das Ganze ist auf bizarre Weise düster und gleichzeitig schrill. Es schrappt mit einem „Ja, schon. Siehste doch.“ knapp an der Grenze zu „Kann man sowas echt bringen?“ vorbei. In Bezug auf Ihre Liveshows sind GrooVenoM übrigens der ultimative Geheimtipp. Ich habe da von spektakulären Choreographien gehört. Ach ja, der obligatorischen Namedropping-Part: Die Bühne teilten sie sich bereits mit den allseits Bekannten wie Callejon, To The Rats And Wolves und Annisokay.

Und das neue Album insgesamt?

Ich fasse zusammen: 12 neue Songs, ein facettenreicher Sound, gewöhnungsbedürftige Technoelemente und wunderbar poppige Sing-Alongs. Die Gitarrensoli wurden mit Liebe ausgearbeitet und der Noizgatechef würde außerdem sagen: „Der Drummer is tight!“ Die Growls sind brachial, die Cleanvocals lassen Justin Bieber in Punkto Quietschigkeit beinahe alt aussehen und die Rappassagen sind ganz witzig, lassen aber nach oben noch Platz. Die Lyrics beschäftigen sich mit Lobgesängen auf die eigene Königlichkeit innerhalb eines todgeweihten Genres, dem Kampf mit der Einfältigkeit innerhalb der Szene und gesellschaftliche Konventionen. Nachdem die Single „Hallo Welt“ auf Deutsch erschien, wählte die Band für dieses Album die englische Sprache. Sowohl die Single als auch das Album wurden von Daniel Haniß in Zusammenarbeit mit Marcel Neumann produziert (Eskimo Callboy, We Butter The Bread With Butter). Aljoscha Sieg (Pitchback Studios) hat´s gemastert. Wie immer.

Meine Meinung?

Ich find´s etwas stressig, feiere die Jungs aber für ihr Konzept und ihre Schrillheit. Ich glaube, meine Oma steht auch nicht so drauf, aber: Es ist bunt, es fällt auf, es macht schon Spaß – also, genau weitermachen!

Weitere Infos zur Band findet Ihr unter folgenden Links:

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Artwork by Zinnober Design // Band Photography by Sound Shadow // Make-Up Design by Kami Zero
1 Like(s): ArthurDent,

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