AYS - Worlds Unknown

AYS - Worlds Unknown

  Musik        30.01.2017
Photo(s) freigegeben von Mirko uncle-m
Manche Hardcore-Bands ziehen ihre Einflüsse aus dem Leben in der Vorstadt, manche orientieren sich an ihren Vorgängern, manche werden von ihren Erlebnissen auf Tour geprägt. AYS, gegründet in Wegberg und mittlerweile in Düsseldorf zu Hause, fallen in letztere Kategorie, beschreiten dabei allerdings einen Sonderweg. Auf seiner neuen Platte „World Unknown“ kombiniert das Quintett die privaten Eindrücke aus den zahlreichen Asien-Reisen von Frontmann und Grafiker Schommer mit seinen Erlebnissen von ihren Touren durch den Kontinent. Das Ergebnis ist ein brachialer Ritt durch sämtliche Spielarten düster-doomigen Hardcores – und ein beeindruckendes Zeugnis davon, wie sehr sich der Schritt aus der westlich geprägten Komfortzone lohnen kann.

Den Grundstein dafür legt die 2002 gegründete Band schon früh. Nachdem sich AYS zunächst an 80er-Hardcore-Punk-Helden wie Black Flag und Sick Of It All orientieren und sich auf über 60 Konzerten im Jahr in Clubs die Finger wund spielen und die Kehlen heiser schreien, wechseln sie 2013 mit ihrem musikalischen Dampfhammer „Suburban Haze“ zu Landstreicher Booking und durchqueren China, Indonesien, Malaysia und Singapur im Bandvan. Die dadurch nur noch weiter angefachte Faszination für den Zusammenhalt der globalen Hardcore-Szene und die unterschiedlichsten Lebensentwürfe gipfelt jetzt in „Worlds Unknown“, das am 10.03.2017 über End Hits erscheint. Die Platte, die im Amsterdam Recording Studio von Igor Wouters (Ex-Madball, Born From Pain, Gold) aufgenommen und im West West Side Studio in New York gemastert wurde, ist der bisher wohl durchdachteste und reifste Output der Band.

Neben den klaren geografischen Referenzen – „Wuhan Prison“ bezieht sich beispielsweise auf die gleichnamige kultige Punk- und Metal-Kneipe in Wuhan -, die sich auch durch das fernöstlich inspirierte Artwork von Schommer ziehen, fällt vor allem auf, dass die Band trotz ihrer selbst auferlegten Funkstille seit Ende 2015 keinen Deut an Wucht und Biss eingebüßt hat. Schon der Opener „3 AM“ türmt sich nach einem melancholischen Intro bedrohlich auf, bevor Schommer seinen heiseren Gesang über Riffs zwischen Düstercore und doomigem Post Metal rotzt, die sich schließlich in einem geisterhaften Outro aus Feedbackschleifen und ins Leere ausklingenden Akkorden verlieren. Die unheimliche Atmosphäre erinnert an Type O Negative, der unerbittliche Groove aus „Worlds Unknown“, „Wuhan Prison“ oder „ling chi ??“hingegen an den muskulösen Crossover von Biohazard und Municipal Waste.

Von letzteren beiden leiht sich die Band auch ihr Faible für genau richtig portionierte Gitarrensoli, die stets im Dienst des Songs stehen und sich nicht in stumpfer Selbstprofilierung verlieren. All das betten AYS auf eine Basis aus missmutigem modernen Hardcore der Marke Rise & Fall, Trapped Under Ice und Cold World – für eitel Sonnenschein ist in der Welt einer Band, deren Name schon für den Widerstand gegen etablierte Strukturen und systematische Unterdrückung steht, eben kein Platz. Dafür verknüpfen AYS auf „Worlds Unknown“ den Biss des 90er mit der dunkelschwarzen Attitüde des 00er und aktuellen Hardcores, gewürzt mit einem bis dato relativ ungewohnten, weil enorm direkten Blick auf die asiatische alternative Musikkultur durch die Augen einer Band, die weiß, wovon sie spricht.

„Worlds Unknown“ erscheint am 10.03.2017 über End Hits Records (CD, LP, digital und Tape).
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