Traveller Veröffentlichen Erste EP - Hourglass Review

Traveller Veröffentlichen Erste EP - Hourglass Review

  Musik        08.05.2017
Photo(s) freigegeben von Traveller Band

"We All Are Traveller" , so stellt die junge Metalcore-Band aus Castrop Rauxel sich vor, als ich Ihr Pressekit die Tage durchblicke.
Castrop Rauxel - das Örtchen dürften einige kennen, denn nicht wenige Bands, die sich heute einiger Bekanntheit erfreuen, haben dort ihre Wurzeln, wie z.B. Eskimo Callboy (um nur ein Beispiel zu nennen). So ist dieses als Dorf deklassierte Städchen zwischen Dortmund und Recklinghausen dem ein oder anderen Musikfreund schon einmal ins Gehör gefallen. Auch Traveller kommen aus Castrop-Rauxel und haben ihre erste EP Hourglass im Gepäck, um sie über die Grenzen des kleinen Städchens hinaus auf eine Reise zu schicken, die bei so vielen Menschen wie möglich gehör finden möchte. Mit einer Band wie den Eskimos haben Traveller allerdings auch nur die Herkunft gemeinsam.

Eigentlich ist man bei jeder CD, die einem von einer Ruhrpott-Metalcore-Band in die Hand gedrückt wird, irgendwie schon geimpft. Alle denken sie, sie seien etwas Besonderes und es kopiert der Eine den Anderen. Von wem nun welches Platte stammt ist manchmal nicht einmal mehr erkenntlich, da alle Alleinstellungsmerkmale fehlen. Doch bei Taveller ist genau das Gegenteil der Fall. Die EP überzeugt nicht zuletzt dadurch, dass sie nicht die Nähe zu bereits etablierten Metalcore oder Hardcore-Bands sucht, sondern Einflüsse guter, etablierter Bands zur Inspiration nimmt und dazu nutzt, ihre eigenen Attribute zu finden. Zu diesen gehört vor allem technische Genauigkeite und die Kombination sehr sanfter Töne mit brachialen Sounds. Talent und Know-How stellt man beim Hören der EP definitiv nicht in Frage. In dem einen oder anderen Moment fühlt man sich an Bring Me The Horizons "Sempiternal" oder die Architects erinnert. Im nächsten Moment verschwindet diese Nähe aber wieder. Denn bisher kommen die Fünf ohne Clean Vocals aus und schaffen es, allein durch ihre Gitarren, eine Brücke zwischen schroffen Vocals und sanfter Melodien zu schlagen. Auffallend positiv ist, dass selbst der Bass nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Instrument vielseitig eingesetzt und gehört wird.









Wer die EP von Anfang bis Ende durchhört wird feststellen, dass sich die Songs von ihrem Anspruch her vom ersten bis zum letzten Song steigern - sowohl musikalisch, als auch was die Produktion anbelangt. Textlich füllen Traveller eine lang klaffende Lücke, denn die Lyrics sind alles andere als Platt. Sie sind auf den Punkt sozial-kritisch, ethisch motviert und politisch. Kurzum: Hier traut man sich endlich wieder etwas, wovor so viele junge Bands zurück schrecken und positioniert sich sehr deutlich.

Hier und da gibt es im Mixing und Mastering ein paar Schwachstellen. Die Vocals sind manchmal zu leise, die Drums zu laut. Die Pianos könnten natürlicher klingen. Aber nichts desto trotz haben Traveller eine starke erste EP rausgehauen, die Lust darauf macht die Combo live zu sehen und mehr zu hören. Es ist zu hoffen dass die junge Band auf ihrer Reise ihre Vorzüge behält und weiterentwickeln kann, ohne dem Einheitsbrei zum Opfer zu fallen. Die Platte ist in jedem Fall eine willkomene Abwechslung und wird auch beim dritten Durchlauf nicht langweilig.

1 Like(s): Defiance,

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