Falling In Reverse - Coming Home

Falling In Reverse - Coming Home

  Musik        09.05.2017
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Wer über Falling In Reverse schreibt, muss mit dem Frontmann Ronnie Radke anfangen. Der großflächig tätowierte Frontmann, einst Shouter und Mitbegründer von Escape The Fate ist vor allem deshalb bekannt, weil er wegen der Anstiftung zum Mord verurteilt und wegen des Verstoßes gegen Bewährungsauflagen ins Gefängnis musste. Damit war sein Ende bei Escape The Fate besiegelt und der Boden für eine neue Band bereitet.
Mit dieser veröffentlichte er seit der Gründung 2008 insgesamt vier Alben. "Coming Home", im April 2017 erschienen, präsentiert sich von Anfang an als Werk, das bereit ist, große Gesten zuzulassen.

Böse Menschen könnten beim Anhören sagen, dass die Band alle verfügbaren Suchschweinwerfer in Richtung poppige Refrains und Eingängigkeit ausrichtet; und richtig: mehr als einmal schielt man dank Breitwandrefrains, Keyboardgeklimper und mehrstimmigem Gesang in Richtung Stadionrock. Wer jedoch das Album aufmerksam anhört, entdeckt genügend Ideen, die dafür sorgen, dass man die Platte nicht per se als "Mainstreamwerk" abtun kann.

Dennoch: In erster Linie bleiben die eingängigen Parts des Albums im ersten Durchlauf im Ohr hängen. Häufig eingestreute Woohoohoo-Gesangslinien funktionieren prächtig und man kann förmlich die erleuchteten Feuerzeuge und Handydisplays sehen, die zu einem Song der Marke "Coming Home" geschwenkt werden. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. In jeder Sekunde ist die aufwändige Produktion allgegenwärtig. Alles sitzt an der richtigen Stelle, die Abmischung ist perfekt. Dazu passen auch die zwar dezent eingesetzten, aber dennoch präsenten elektronischen Einsprengsel, die auch vor Radkes Gesang nicht Halt machen.

Dessen Gesang stellt sich als größtes Plus des Albums heraus. Denn sein Organ ist so wandelbar wie eingängig und es sorgt dafür, dass man die Songs gerne anhört. Seinem abwechslungsreichen Gesangsstil ist sich Radke natürlich bewusst; daher nutzt er auch alle Facetten seiner Stimme aus. In "Straight To Hell" beispielsweise rutscht er im Refrain beinahe in Screamo-Gefilde ab, um nur wenige Augenblicke wieder mit einsäuselnder Klarstimme den Hörer zu umgarnen. Hinter jeder Note kann sich jedoch ein Stilwandel verstecken: ein Fakt, der den Song äußerst spannend und wenig vorhersehbar macht. Das abschließende "The Departure" punktet mit seiner Atmosphäre: leicht mysteriös, dazu passen der zurückgenommene Gesang und die sparsame instrumentelle Begleitung. Stücke wie "Fuck You And All Your Friends" oder "I'm Bad At Life", das nicht nur thematisch stark nach My Chemical Romance klingt, könnten auch den Soundtrack einer Teenie-/Collegekomödie ergänzen und sorgen für gute Laune.

Andere Songs hinterlassen jedoch genau....eben, nichts. Sie rauschen relativ unbemerkt am Hörer vorbei und erweisen sich als Füller. Somit bleibt am Ende ein Album, das zwar keinen einzigen wirklich misslungenen Song, aber eben auch nur wenige richtig starke Tracks beinhaltet.
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