Vainstream 2018: Warum bist du so groß?

Vainstream 2018: Warum bist du so groß?

  Musik        06.02.2018
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Vainstream, Wir müssen reden

Habt ihr das auch schon einmal erlebt?
Ein Festival haut die ersten Bands des Line Ups raus und es macht „zoom“, „boom“, „pang“, denn ihr denkt innerlich nur „Hallelujah“ in Anbetracht der grandiosen, vielversprechenden ersten Verkündigungen. Und das beste: Das sind ja nicht einmal die Headliner. Es kann sich also nur noch mal steigern.

Und dann, bei der nächsten Bandwelle: Enttäuschung. Im Kopf macht es Dedöm. Trotz der ersten verheißungsvollen Ansagen ist da einfach Enttäuschung und man fragt sich: Warum? Warum solche Bands? Wieso? Wie passt das jetzt?
Diese enttäuschte Erwartungshaltung hat wohl jeder schon erlebt. Die naheliegenste Lösung wäre wohl, einfach keine Erwartung mehr zu haben. Aber das ist einfach menschlich. Man kann es kaum abstellen.

Meine persönliche ist dieses Jahr das Vainstream. Das Line Up meines Geburtstags-Festivals war letztes Jahr auf gut Deutsch gesagt: Zum in der Tüte rauchen. Haben einige vor Ort wohl auch gemacht.
Einige wenige Bands waren wirklich lohnenswert. Aber eben auch wenige. Und dieses Jahr?


Stick To Your Guns – Lohnen sich immer. Boysetsfire – eine kleine lebende Legende. Beatsteaks – eine Party die immer geht. Stray From The Paths – Emo-Erinnerungen der Jugend. Touché Amoré und Lionheart – Tanzen, Tanzen, Tanzen. Asking Alexandria – mit frischem Album, neuen Stil und altem Sänger. Any Given Day – Metalcore-Urgesteine aus dem Ruhrpott und einiges mehr. Bevor ich all meine Enttäuschung rauslasse, will ich das hier ganz deutlich loben. Tolle Bands, von denen einige viel weiter oben im Line Up stehen müssten und viel mehr Spielzeit haben sollten.

Doch dann - die groß angepriesene Bandwelle, die uns nur zum Schmunzeln bringt. Sie sollte unsere Erwartungen übertrumpfen, wurde dick und fett beworben. Wir dachten: Es kommt noch dicker und fetter. Und dann: Bullet For My Valentine. Und man fragt sich: Muss das sein. Hat da jemand einen Fehler gemacht?

Ich verstehe die Herausforderung eines Bookers voll und ganz. I feel you. Really. Ich weiß, dass man manchmal nehmen muss, was da ist, dass die Tourdaten stimmen müssen, dass die Verfügbarkeiten stimmen müssen. Die Gage muss stimmen. Ok – Bullet For My Valentine gehören ja noch irgendwie zum Metier. Und man muss diesen verdammten Slot füllen. Aber Come On.


CASPER?

Mensch Vainstream. Wir lieben euch. Aber nur weil KIZ grad nicht können, muss nicht zwanghaft irgendein Hip Hop Künstler an diese Stelle. Letztes Jahr während der 187 Sraßenbander, waren die Bierstände voll. Davor das Jahr, währed KIZ, war das Infield voll. Notice any difference? Es ist nicht cool, wenn irgendeine Gang einfach nur ihren Bandnamen stumpf ins Mikro gröhlt („Eeeiiins Aaaacht Siiieeeeböööööön). Genauso wenig ist es cool, wenn irgendein Rapper sein ganzes Set lang depressive Phrasen schmettert. Versteht mich nicht falsch; Casper macht seinen Job bestimmt echt gut. Tolle Texte. Aber er passt da einfach nicht hin.
Was wollt ihr uns bitte verkaufen? Das Hip Hop zum Vainstream gehört? Das tut er nicht. KIZ tun das. Ihr Slot hat irgendwie Kultstatus. Aber wenn KIZ nicht können, wäre gerade mal Trailerpark der nächste würdige Ersatz. Und wenn keine unseriöse Rap-Satire-Combo kann, dann versucht nicht zwanghaft diese Lücke zu füllen.Please insert any available hardcore band here.

Sie wäre allemal gut genug gewesen. Und wenn es ein lokales Mäuschen aus NRW geworden wäre. Die hätten sich gefreut. Wir hätten uns gefreut. Sie hätte gefreut, dass wir uns freuen. Wir hätten uns gefreut, dass sie sich freuen, dass wir uns freuen. Es wäre eine große Freude gewesen. Aber nein. Die Heulboje der Chartwelt sitzt da mitten im Plakat und irgendwie zuckt man mit den Schultern. Casper ist einer dieser riesigen Fremdkörper, die in der Festivalsaison viel zu viel Spielzeit einnehmen und dort irgendwie fehl am Platz sind. Warum gibt man viel Geld für solche „Fail“-Acts aus? Das werde ich nie verstehen.

Für mehr Kommerzialität

Es ist ja nicht so, als wenn das Vainstream nicht mittlerweile aus allen nähten platzt und man komisch kalkuliert hat, nur weil man die Sputnik-Halle mit hinein genommen hat. Es wird Jahr für Jahr enger und ungemütlicher. Und solche Bands ziehen einfach ein Klientel mit anderen Vorstellungen und Werten bezüglich eines schönen und friedlichen Konzerts an. Für jede dieser Bands, hätte man drei Local Acts dazu holen können, die auf jeden Fall Zeit gehabt hätten. Oder wie wär es sich auch mal für eine Female-Fronted Hardcore/Metalcore Band stark zu machen? Ja, ich habe Milk Teeth im Line Up gesehen. Und dennoch wär mehr female-fronted doch mal eine Abwechslung, denn es gibt sie!


Ich bin der letzte Mensch der sich über Line Ups erboßt. Aber Vainstream: Ihr zieht seit Jahren so viele Menschen dass ihr ausverkauft ausverkauft seid. Aber wollt ihr den Ausverkauf eurer Wurzeln? Wollt ihr alternative bleiben oder mainstream werden mit Mainstream-Publikum? Faculty of Punk, Metal und Hardcore prangert auf eurer Brust. Dann macht doch nicht so einen Quatsch.

Natürlich werde ich wie jedes Jahr trotzdem da sein und während Casper meine Versorgung mit Speis und Trank sicherstellen. Aber ich wollte einfach mal sagen, was viele denken. Denn irgendwie bin ich da gut drin und mach mich gerne unbeliebt. Und irgendwie wäre es ja auch langweilig, jedes Jahr den gleichen Hype-Vorbericht rauszuhauen. Vainstream wir lieben euch. Aber das musste einfach mal gesagt werden!

Wer wie wir trotz Casper das Vainstream in Münster wagen will, kann sich derzeit noch Ticket ab 55€ über die gängigen VVK.-Stellen sichern.